
Next Level Energiewende:
Berlin – Auch wenn Dermatologen empfehlen, maximal zwei Vollbäder in der Woche zu nehmen: Manchmal ist ein entspannendes Vollbad der perfekte Abschluss eines aktiven Tages. Bei einer solchen Gelegenheit fiel Florian Müller, Geschäftsführer der Energy Market Solutions GmbH, etwas auf: Die Ein- wie auch die Ausstromenergie des Badewassers verpufft ungenutzt.
Was anfangs lediglich ein leises Bedauern auslöste, reifte im Laufe der Jahre zur konkreten Produktidee. Mit dem Hochlauf des Smart Meter Rollouts und der Verbreitung dynamischer Tarife ist die Zeit nun reif für das Gezeitenkraftwerk für die Badewanne.
Untersuchungen zeigen, dass Menschen bevorzugt gegen Abend baden. Zu Zeiten also, in denen eine möglicherweise vorhandene Eigenstromerzeugung durch eine eigene (Balkon-) PV-Anlage gering und der Börsenpreis für Strom hoch ist. Mit der Nutzung des Gezeitenkraftwerks für die Badewanne kann somit auch zu teuren Zeiten im dynamischen Tarif der Netzbezug reduziert werden. GF Florian Müller verfolgt diese Idee bereits seit etlichen Jahren. Aktuell ist das Gezeitenkraftwerk (kurz GKW-B) noch in der Pilotphase, daher sind noch keine verbindlichen Aussagen zu möglichen Strommengen möglich. Zu sehr schwanken aktuell noch Parameter wie Wasserdruck, Auslass-Durchschnitt, Haushalts- und Badewannengröße.
Nimmt man jedoch die VDS-Studie „Die Deutschen und Ihre Bäder“ zur Grundlage, gibt es in Deutschland 46 Mio. Bäder, von denen 76% mit Badewannen ausgestattet sind. Konservative Annahmen ergeben im badeintensiven Herbst und Winter eine Erzeugungsleistung, die bis zu 1,7 Kohlekraftwerke ersetzen kann. Damit könnte sich bei entsprechender Marktdurchdringung auch eine Entlastung in Zeiten der Dunkelflaute ergeben, die ja so oft als Schreckgespenst der Versorgungssicherheit herbeizitiert wird.
Perspektivisch kann sich eine Anlage jedoch grundsätzlich für Kunden mit Einfamilienhäusern und einer Mindest-Badewannengröße um die 180 l (Standardgröße) lohnen. Eine Anmeldung im Marktstammdatenregister wird für private Anlagen nicht notwendig sein. „Wir untersuchen aktuell noch zwei weitere Entwicklungspfade: Den festen Verbau im Unterbau der Badewanne sowie eine mobile Lösung, die während der Befüllung bzw. Leerung der Wanne mit wenigen Handgriffen eingesetzt werden kann. Die Kosten für eine mobile Anlage sollen maximal um die 120 EUR betragen, die Installation einfach und sicher im Eigenbau realisiert werden können.
„Der mögliche Anwendungsraum ist aber deutlich breiter“, schwärmt Florian Müller, „Wir prüfen aktuell auch den Einsatz in Kinder-Schwimmbecken in öffentlichen Schwimmbädern zur Senkung der deutlich gestiegenen Energiekosten der öffentlichen Hand. Erste informelle Gespräche haben hier bereits stattgefunden.“ Insbesondere Menschen mit kleinen Kindern dürfte diese Idee einleuchten, bedenkt man die beeindruckende Bewegungsenergie, die die Kleinen beim Spiel im Badewasser erzeugen können. Und das, speziell wenn man sie eigentlich müde getobt wähnt, unbegrenzt erneuerbar.
Aktuell liegt der Fokus jedoch auf der Fertigstellung erster Prototypen zum Einsatz in heimischen Badewannen für einen ersten Friendly User Test rechtzeitig zum Beginn der Bade-Saison im Herbst 2025.
fmü/khe, 01. April 2025